"Bayrisch-Chamonix" - Geierkopf Hauptgipfel (M7- 600m)


Warum die großen kombinierten Linien zumeist in den Westalpen zu suchen sind, liegt jedem auf der Hand der einmal in Chamonix unter einer Aig. Dru oder einem Grandes Jorasses gestanden hat. Das Bezwingen dieser Gewaltigkeit macht, so die Vorstellung, einen größeren Menschen aus dir. Verbringt man aber bald mehr Zeit seines Lebens im Auto und nicht mehr am Berg, beginnt ein Umdenkprozess. Super wäre es doch, wenn ich das Klettererlebniss von Chamonix in der mittelbaren Umgebung unseres Wohnortes finden könnte. Klar so gewaltige Berge haben wir hier nicht! Auch muß, was die Absicherung angeht, bei uns in den Kalkalpen anders gearbeitet werden, da nicht 50-80 Meter lange perfekt abzusichernde Risse durchs Gestein ziehen. Aber schon Alban Glaser hat am Rubihorn gezeigt, dass die alpine Spielart des Mixed- und Turfkletterns eine anspruchsvolle aber lohnende Ergänzung des Betätigungsportfolios der Nordalpenkletterer dahrstellen kann.

Nun hat sich ein, aus der Erstbegehung guter alpiner Felstouren bekannter, Kenner und Könner der nördlichen Kalkalpen ebenfalls dieser Nischenbetätigung angenommen. Bereits ein Jahr zuvor ist am Geierkopf im schönen Ammergau eine sehr beliebte alpine Mixerei enstanden. Dieses Jahr hat Ralf Sussmann noch einen drauf gepackt und eine Tour erstbegangen die sich vor den Klassikern in Chamonix nicht zu verstecken braucht. Nachdem einige Seilschaften wegen Orientierungsproblemen, Schlechtwetter und Pulverschnee umgedreht waren versuchten Frank und ich am 10.04. dem wilden Stück Fels im Herzen der Ammergauer Alpen die erste Wiederholung zu entlocken.

Um 6:30 Uhr ist Treffen am bekannten Parkplatz an der Doppelkehre. Ich möchte hier mal ganz deutlich schreiben: PUNKT 6:30 Uhr fährt die Giulietta mit ihrem Fahrer in die Parkbucht ein, ich glaub ich Träum noch.

Bald ist Umgezogen der Gruscht gepackt und wir stapfen über gut gefrorenen Schnee dem Bachbett entgegen. Immer weiter mal rechts mal links des Baches bis zum großen Kessel. Ich muß zugeben, großer Zirkus hier oben, die Umgebung passt zur Tour, man fühlt sich fast den kleinen Nordalpen etwas entrückt.

 


Nach 1:30 Std. können wir die Skistöcke gegen die Eispickel tauschen, Gurt anlegen und Steigeisen drauf geben. --> Lasst die Spiele beginnen!
 

Die erste Seillänge ist etwas, was sich jeder Mixedkletterer nur wünschen kann. Eine enge Rinne mit dünner Eisauflage zieht steil vor uns hoch. Ich kann mich nicht genau erinnern wann ich das letzte mal so einen Spaß beim Mixen gehabt hab, ich glaub es war am Tödi. Diese Länge muß Ralf und seinen Helfer als ein absolutes Geschenk vorgekommen sein. Wir haben tierischen Spaß! 





Kurzer Schneestapf und es geht zu dem steilen teils Überhängenden Wandbereich im zentralen Routenteil.
 


100m Skigelände führen dort hin, man kann mit den ganzen Spinndrifts und der alpinen Atmosphäre Westalpenluft schnuppern.


 


Nun bleibt das Gelände anhaltend schwer: M6, M6-, M6 usw. . Sehr gut mit Bohrhaken abgesichert aber nicht das der Eindruck entsteht es wäre hier eine Plaisiertour ala Schwarzmann entstanden. Es bleiben genug Meter zwischen den Haken, welche obligat zu klettern sind. In mir steigt die pure Lust an der Bewegung. Fast schon etwas traurig sehe ich, gefühlt viel zu früh, den nächsten Stand. Das Restseil zeigt es aber an, selten eine Länge unter 35m dabei.


Tolle Bewegungsabfolge in steiler exponierter Wand. Mal geht's mit Eisgeräten besser mal mit der Hand. Sehr abwechslungsreich gestalten sich die Seillängen. Mit gutem Auge hat man hier durchs Vertikale gefunden.


Ja, nun schaut es plattig aus, und das war es auch. Fällt mir unglaublich schwer, die erste 7- Seillänge. Eher flach aber auch sehr unstrukturiert. Mit Plastelinschnee wärs wahrscheinlich viel leichter, aber so ein echt "zaches" Luder.



Frank kämpft im Nachstieg und findet noch ein paar Hooks die ich übersehen habe. Insgesamt komplex und deffizil. Was will man mehr?


Die nächste Länge schaut nicht leichter aus, nur steiler. Hook für Hook nach oben. Nicht alles was schwer aussieht ist auch leicht und schon hängt er im Seil...aber der finale Hook ist gleich ausgemacht und schon geht's besser. Am Ende der Länge noch ein kniffliger Aussteig. Nun ein Quergang ala Eiger Nordwand, sehr faszinierend!


Die Wand wird flacher der Schnee tiefer, Einbruchgefahr in Bergschründe herscht hier. Frank löst das gut. Kurz vor dem Stand braucht der Vorsteiger nochmal gute Nerven, die hat der Fränky aber allemal!
 

Die letzte etwas schwerere Länge macht noch einmal richtig Spaß, vor allem der Stemmkamin am Ende der Länge mit dem Ausstieg auf den Schneegrat. Hier am Stand sind die Schwierigkeiten vorbei. Eine schrofige M3 führt in den Gipfelbereich welcher in 80 flachen Schneemetern zum kleinen Gipfelkreuzchen leitet.


Uns "bräsierts" aber weil ich noch einen wahnsinnig wichtigen Termin am Abend habe und wir eh schon spät dran sind. Gott sei dank klappt das Abseilen wie am Schürchen und nach einer Std. sind wir wieder am Rucksackdepot.  



Beim Runterlaufen wird der Turbo eingelegt und nach gerade mal 20 min stehen wir wieder am Auto, schon stimmt der Zeitplan wieder!

Danke Fränky! War, wie immer, eine rießen Freude mit dir und das Bier holen wir mit starker verzinsung bald nach. :) .

Danke an Ralf, Michi und Andi für die tolle Arbeit die ihr euch gemacht habt, ich hoffe der Rote schmeckt.

Insgesammt kann man die Route nur empfehlen, ich denke es gibt in der Garmischer Umgebung momentan nur wenig Vergleichbares in dem Stil und der Schwierigkeit, das muß ja aber nicht so bleiben.

Noch ein Wort zum Routennamen: "Er könnte passender nicht sein!"

Viele Grüße Stef.

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Facts:
"Bayrisch - Chamonix" Geierkopf Hauptgipfel  (M7- 600m)

EB: Ralf Sussmann, Michael Warscher, Andreas Reichert in 3 Tagen im März 2013. Die Erschließung erfolgte durchgehend im Vorstieg von unten, ohne vorheriges Erkunden von oben und ohne Verwendung von Fixseilen.

Mit Bohrhaken gesichert aber nicht übersichert.

Material:
Kletterausrüstung Winter 
10 Express
60! Meter Doppelseil.
Eisgeräte
zur Sicherheit: C3 #2 #1 Linkcam Rot
Bei viel Schnee: Hammer und Haken falls Stände unter Schnee, sehr kompaktes Gestein.  

Alle Infos Topo und nette Geschichte der EB:
http://www.nordalpenklettern.lima-city.de/Bayerisch-Chamonix.htm



Kommentare:

  1. Auch von meiner Stelle nochmals Dank und Respekt für das Einrichten einer so tollen Tour. Wenn die Jungs so weiter machen, haben wir in 2 Jahren die erste M11 in den Ammergauern.

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  2. Tolle Bilder und ein super Bericht.
    Macht auch beim lesen spaß.
    Grüße A-Team

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